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Das 30-Tage-Experiment (Woche # 1 - Die Horrorwoche) & Vegane Knusperberge













Das 30-Tage-Experiment - Die Beweggründe

Am Mittwoch habe ich euch einen ausführlichen Erfahrungsbericht angekündigt - jetzt ist er tatsächlich mehr als ausführlich geraten. Wen nur das Rezept für diese veganen köstlichen kleinen Knusperberge interessiert, der möge bitte zum Ende des Posts vorrücken. Allen anderen wünsche ich viel Spaß beim  ausgiebigen Lesen :)

Wie schwer kann es schon sein, 30 Tage lang auf alles Tierisches im täglichen Ernährungsplan zu verzichten? Das wird doch ein Klacks! So dachte ich mir das hübsch naiv vor dem Experiment (klick!). Meine Ernährung hätte man schon vorher als überwiegend vegetarisch bezeichnen können. Einzige Ausnahmen waren mal eine Scheibe Wurst oder ein Fleischgericht zugunsten des Fleischfresserchens. Das war's dann aber auch schon. Wie schwierig würde also die Umstellung auf vegan sein? In meinem jugendlichen Leichtsinn hielt ich das Ganze für easy peasy. Nix da, kann ich euch verraten. Ich habe den ein oder anderen Tag in der Anfangszeit gelitten - dezente Höllenqualen. Aber ich fang' mal von vorne an ;)

Zuallererst sollte ich vielleicht mal ein bisschen Licht ins Dunkel bringen und euch über die Beweggründe für dieses Experiment aufklären. Mit der veganen Küche hatte ich vor dem Entschluss lange Zeit nämlich genau einen Berührungspunkt: eine liebe Kommilitonin, die ich nun seit einigen Jahren kenne ich und die überzeugte Veganerin ist. In jüngster Vergangenheit kam jedoch ein weiterer - irgendwie überzeugender - hinzu. Eine sehr enge Freundin erzählte mir von dem Selbstversuch ihres Vaters, der sich sechs Wochen lang vegan ernährte. Für ihn stand vorrangig der gesundheitliche Aspekt im Vordergrund. Tatsächlich soll sich nämlich eine tierfreie Ernährung besonders positiv auf  Menschen auswirken, die starke Probleme mit den Gelenken haben. Was soll ich euch sagen: er konnte die positive Wirkung nur bestätigen. Das ließ mich aufhorchen. Fleischfresserchen hat als Sportler nämlich auch nur noch sprichwörtlichen Matsch wo eigentlich die Knie sein sollten. So richtig kann ihm dabei auch kein Sportmediziner mehr helfen. Ein gutes Argument, sich auf dieses Experiment einzulassen, oder? Ein weiterer Grund war, dass ich es einfach als persönliche Herausforderung sah. Ich war neugierig, was vegane Ernährung überhaupt bedeutet. Wie viel Verzicht man in Kauf nimmt und wie schwierig eine Umstellung ist. Den dritten Grund rieb mir regelmäßig unsere garstige Waage unter die Nase. In Anbetracht des nahenden Sommers könnte ich getrost ein paar Kilos Adieu sagen. Am Ende kann ich euch dann auch erzählen, was das Vorhaben tatsächlich bewirkt hat - in allen Belangen.


Das Kochbuch - unsere Fibel

Ein weiterer Schritt der Vorbereitung führte mich in die Buchhandlung meines Vertrauens. Als passionierte Kochbuchliebhaberin konnte es ja nicht angehen, dass ich so ein Vorhaben ohne ein passendes Lesewerk startete. Also zack! in meine liebste Abteilung und durch diverse Koch- und Backbücher gewühlt. Dabei fiel mir auch auf, dass die vegane Bewegung schon längst bei der schreibenden Zunft angekommen zu sein schien. Und das nicht etwa in einer kleinen dunklen Nische, sondern in Hülle und Fülle. Also stöberte ich mich durch die verschiedenen Lektüren und entschied mich schließlich für meinen Favoriten: Nicole Justs La Veganista. Der Weg zur Kasse bestätigte meinen Entschluss, denn die nette Fachverkäuferin nickte zustimmend und ließ mich wissen: "Das kaufen wirklich viele!". Na bitte! Natürlich ist kollektiver Konsum nie ein verlässliches Indiz für Qualität, aber ich kann aus meiner eigenen Erfahrung schöpfen und mag das Buch wirklich gern. Nach einem verhältnismäßig kleinen aber wirklich sehr guten Infoteil folgen 100 Rezepte rund ums Frühstück, Zwischendurch & Vorneweg, Hauptgerichte, Schlemmereien, Desserts und Gebäck. Ganz besonders gut gefallen mir auch die hübschen Foodfotos von René Riis. Ich habe schon einige Rezepte ausprobiert und darf euch heute am Ende dieses Posts selbiges für die Knusperschokoberge (Seite 167) verraten :) Nun aber zurück zu meinem Erfahrungsbericht.


Woche #1 - Aller Anfang ist schwer

Heute befinden wir uns am Anfang unserer dritten veganen Woche. Die Halbzeit ist also vorbei. Dennoch werde ich euch chronologisch bis Ende Juni alles von Anfang an berichten und so fange ich heute bei Woche # 1 an. Ich nenne sie mal liebevoll "Die Horrorwoche". Sie hielt nämlich zwei ganz schön große Bewährungsproben für mich bereit und ließ mich das ein ums andere Mal ein bisschen straucheln. Soviel sei aber vorweg schonmal verraten: ich bin standhaft geblieben und habe keine Ausnahme gemacht! Fest versprochen! Wir begannen unser Experiment am Mittwoch, den 21. Mai (warum genau an diesem Tag, werde ich euch später noch verraten). Der erste Tag war easy peasy. Schon im Vorfeld hatten wir unseren Kühlschrank weitestgehend von allem Tierischen befreit und nur noch vegane Produkte eingekauft. Am Mittwoch standen lediglich einige Eier, ein Päckchen Käse und ein kleines Töpfchen Fleischsalat im Kühlgerät. Das alles brachte ich pflichtbewusst zu Mama und Papa. Stattdessen standen ab sofort Soja-, Hafer- und Mandelmilch im Kühlschrank, vegane Brotaufstriche, Tofu in verschiedenen Variationen, vegane Margarine und viel, viel Marmelade. Zum Milchersatz kann ich nur sagen: die Mandelmilch (von Alprosoja) fiel bei mir gnadenlos durch. Der horrende Preis von 2,79 € / Liter ließ mich schon beim Einkauf schlucken und obendrein hat sie mir so gar nicht geschmeckt. Seitdem trinken wir hauptsächlich Soja- und Hafermilch. Im Kaffee, im Müsli oder mal auch mal ein Gläschen so. Mein Highlight (das ich mir ab und an mal ausnahmsweise gönne): Sojakakao von Alprosoja. Mjammi! :D

Die erste starke Bewährungsprobe wartete direkt am zweiten Tag des Experiments auf mich. Ich hatte einen freien Tag und so wollten das Fleischfresserchen und ich mal ein schönes veganes Frühstück zelebrieren. Nun ja! Leider hatten wir beide den kleinen Umstand übersehen, dass keinerlei Brot mehr im Haus war. Argh! Also fuhren wir in den nächsten Supermarkt, um welches zu besorgen. Wer mich kennt weiß, dass ich mit leerem Magen und bestialischem Hunger etwas unleidig bin. Mein Kreislauf verträgt das gar nicht gut und Unterzuckerung lässt mich zittern wie Espenlaub. Die Folge: Monsieur musste das Auto fahren und ich saß meckernd und motzend auf dem Beifahrersitz. Endlich im Supermarkt angekommen, hätte ich mich am liebsten kopfüber in die Wurstabteilung gestürzt. So ein unbändiges Gelüst auf Wurstwaren bin ich absolut nicht gewohnt. Der Gang vorbei an den Frischetheken war eine Qual. Meine bessere Hälfte konnte sich vor Lachen kaum noch auf den Beinen halten, ich hätte mich wohl aufgeführt wie ein Raubtier im Zoo kurz vor der Fütterung. Ähem! Im Nachhinein tut's mir schrecklich leid. Das war der Hunger - der Heißhunger! Nach dem ersehnten Frühstück zu Hause legte sich das schließlich auch wieder. Merke: niemals mit Hunger einkaufen gehen (das ist ja eigentlich gemeinhin bekannt) - schon gar nicht am zweiten Tag eines Ernährungsexperiments.
Die zweite Herausforderung lauerte am Vatertag. Wie in meiner Familie so üblich, versammelten wir uns zum alljährlichen Frühstück in meinem Elternhaus. Schon beim Eintreten schlug mir der garstige Geruch gebratenen Specks entgegen. Ich - wieder mal mit leerem Magen - schrammte haarscharf an einem Speichelsturz vorbei. Mein Brüderchen war da keine Hilfe: "Mhh... riecht köstlich, oder?" So eine fiese Möpp! Ich blieb natürlich stark und begnügte mich mit meinem veganen Curry-Papaya-Aufstrich (großes Mjammi!) und diversen Marmeladen. Fazit nach Woche #1: Die Versuchung lauerte an jeder Ecke und ich vermisste auf einmal Dinge, von denen ich es nie erwartet hätte. Milchprodukte konnte und kann ich sehr gut durch Sojaprodukte ersetzen und sie fehlen mir bis heute kein Stück. Genauso verhält es sich auch mit Eiern und Honig. Was mir aber besonders am Anfang erstaunlich schwer viel, war auf eine morgendliche Scheibe Wurst oder den gebratenen Speck beim Vatertagsfrühstück zu verzichten. Erstaunlicherweise geht's dem Fleischfresserchen genau umgekehrt: er vermisst mehr die Milchprodukte und hatte auch kein einziges Mal so eine Heißhungerattacke wie ich. Hat bestimmt was mit den Hormonen zu tun - ähem! Vielleicht sollten wir über einen (Spitz-)Namenswechsel nachdenken ;) Mittlerweile bin ich übrigens auch darüber hinweg!

Last but not least  - nun noch zum Rezept :) Ich habe mich gerade für dieses entschieden, weil wir nach den ersten zwei Wochen einen riesigen Süßhunger auf Schokolade hatten (auch das eine völlig neue Erfahrung für mich). Es gibt zwar vegane Schokolade, die auch wirklich richtig lecker aber leider auch äußerst kostspielig ist. Diese Knusperberge sind eine günstigere Alternative und haben obendrein noch diesen gewissen Biss ;)

Wir brauchen:

150 g Bitterschokolade (min. 70 % Kakaoanteil)
20 g Kokosöl
50 g Mandelblättchen
70 g Cornflakes (ungezuckert)
½ TL Vanillezucker
1 EL Agavendicksaft

Zunächst werden Schoki und Kokosöl in einer Schüssel im Wasserbad geschmolzen. In der Zwischenzeit können die Mandeln in einer Pfanne ohne Öl goldbraun angeröstet und mit den Cornflakes vermischt werden. Anschließend werden Vanillezucker und Agavendicksaft in das Schoko-Kokos-Gemisch eingerührt und unter die Cornflakes-Mandel-Masse gehoben. Rührt alles solange vorsichtig durch, bis alles mit Schokolade bedeckt ist und verteilt die Masse gleichmäßig auf einem mit Backpapier ausgelegten Teller oder einem Brettchen. Formt mit Hilfe zweier Teelöffel kleine Knusperberge und lasst sie mindestens drei Stunden im Kühlschrank fest werden. Dort halten sie sich übrigens einige Tage.


Alles Liebe, eure Anne
(und vielen Dank an all die, die bis hier hin durchgehalten haben)


Kommentare:

  1. Liebe Anna, da hab ich doch schon die ganze Woche auf Deinen Wochenbericht gewartet und mich sofort drauf gestürzt. Und er war überhaupt nicht zu lang :)
    Es ist total interessant, mehr über die Beweggründe zu erfahren, warum Du dich an dieses Projekt gewagt hast... ich bin gespannt, was in den nächsten Berichten so passiert und ob Deine Lust auf Speck nochmal vorbeischaut:)

    Viele Grüße von Mareike

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  2. Hallo Anne, ich war auch schon ganz gespannt auf deinen Bericht! Da bestätigt sich mal wieder meine These: Essen gut, alles gut ;-) Aber ich bin sicher wenn du (ihr) die erste Woche überstanden hast, kannst du den Rest auch schaffen! Ich hatte jetzt auch schon ein paar mal ein veganes Kochbuch in der Hand, dann werde ich mir deine Buchempfehlung auch noch mal genauer anschauen!

    Liebe Grüße an dich!!
    Franzi

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    1. Liebe Franzi,
      nach der ersten Woche hat auch dieses gewisse "Verlangen" nachgelassen. Der Körper gewöhnt sich ja bekanntlich an alles ;) Und ja, schau' unbedingt mal in "La Veganista" rein. Mir gefällt's wirklich gut!
      Allerliebste Grüße zurück,
      Anne

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  3. ich bin auch schon eine weile am überlegen, ob ich mich einmal an das Experiment vegan trauen soll, aber so ganz kann ich mich noch nicht überwinden...tatsächlich haben wir uns wegen unserem sohn, der an Neurodermitis als Kleinkind litt, bereits fast vegan ernährt...das einzige tierisch zulässige waren Schmand, sahne und Butter...aber auch das ist schon eine enorme Umstellung...übrigens kann ich dir ein tolles veganes keksrezept empfehlen...falls du Interesse hast...allerdings mit suchtfaktor ;O)

    Und weißt du, was ich an der ernährungsumstellung gut finde...egal ob vegan oder vegetarisch...man setzt sich sehr viel mit seiner Ernährung und den Lebensmitteln im Supermarkt auseinander und stellt plötzlich fest, was man manchmal für sch**** zu sich nimmt...machen wir manchmal immer noch...aber es ist VIEL VIEL weniger dadurch geworden...

    Ich bin total auf deinen endbericht gespannt :O)

    Ganz liebe grüße, Anja

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    1. Liebste Anja!

      Zunächst einmal vielen Dank für deinen ausführlichen und tollen Kommentar! Und dann würde ich mich riiiesig über das vegane Keksrezept freuen - die Suchtgefahr nehme ich auf mich :) Vielleicht könntest du es mir ja an chevre.culinaire@yahoo.de schicken. Ich bin soo gespannt!

      Einer der bedeutendsten Zugewinne, die ich bereits jetzt aus dem Experiment mitnehme, ist definitiv dieses Bewusstsein für Einkauf und Ernährung, von dem du sprichst. Auch wenn wir nach dem veganen Monat wahrscheinlich zurück zu einer (teils) tierischen Ernährung finden, möchten wir uns dieses Bewusstsein auf jeden Fall erhalten.

      Ganz liebe Grüße zurück an dich,
      Anne

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  4. Liebe Anne .. was für ein wundervoller Bericht .. ich hatte das Gefühl alles exakt mitzuerleben und ich kann es Dir nachfühlen.
    Ich habe es, nur nicht ganz so extrem erlebt als ich zwangsweise Milch, Tier und Weizenfrei leben musste.
    Man hat auf einmal das Gefühl in einem gefüllten Supermarkt verhungern zu müssen :-)
    nach der ersten Tagen legt sich das alles und der Körper gewöhnt sich daran.

    Das Umdenken im Kopf ist wichtig und dann kann es wirklich losgehen .. lach, das Du jetzt erst bemerkst wie sehr Du doch das ein oder andere magst was Du bisher als nebensächlich empfandst finde ich sehr lustig ( Du weißt wie ich es meine !? )

    Sehr spannend .. ich freue mich auf weitere Geschichten

    Ganz liebe Grüße Stephie

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    1. Liebe Stephie!

      "Verhungern im Supermarkt" umschreibt ganz gut die Tiefpunkte der ersten Woche ;) Das muss man erstmal überwinden und mittlerweile ist es so normal geworden. Du hast absolut recht: der Körper gewöhnt sich dran. Vielen Dank für deine lieben Worte und nochmals auch für deinen köstlichen Beitrag zum Blogevent :)

      Ganz liebe Grüße zurück!

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